Am Kröpcke
Von Georg Franz am 08.08.2007
Der / die / das Kröpcke ist quasi der Hauptplatz von Hannover. Ich sitze an einem Sonntag zu Mittag am Kröpcke bei einem italienischen Kaffeehaus im Freien, es heißt Giovanni L. Gleich mehrere Hannoveranerinnen (bitte dieses Wort bedächtig mehrmals aussprechen!) haben mir andächtig dieses Lokal empfohlen: Mensch, da musst Du mal hingehen!
Die Kellnerin liefert mir eine Tiramisu-Sahnetorte, die einfach riesig ist. Von der Größe, weniger vom Geschmack.
Auf der einen Seite sieht man zum Bahnhof, auf der anderen die Oper und den Peek und Cloppenburg. Auf den ersten Blick sieht man hier gar nichts vom Ernst August. Ach ja doch, die Reiter Statue beim Bahnhof …
Der Platz ist heute nur leicht belebt, bei weitem nicht so überlaufen wie die Wiener Innenstadt. Dort werden ja sonntags erbitterte Grabenkämpfe zwischen Horden von italienischen Touristen und barbarischen Japanern (bitte auch das bedächtig aussprechen – barbarische Japaner!) ausgeführt. Jedenfalls geht es um das beste Wien-Foto – oder so ähnlich.
Der einzige, der hier eine Kamera mit hat, bin ich. Dabei ist die Stadt gar nicht so hässlich, wie ich ursprünglich befürchtet hatte.
Gegenüber von mir ist ein Ringelspiel, das hat folgenden Lehrauftrag: Bringe schon den kleinen Kindern bei, dass sich das Leben im Kreis dreht. Und alles kostet Geld, auch wenn es überhaupt nichts bringt und man an der gleichen Stelle wie zuvor wieder ankommt. Dazu hört man dann Lieder von der „Neudeutschen Welle“, die mittlerweile eigentlich „Uralt Deutsche Welle“ heißen müsste. „Völlig los gelöst von der Erde“ fahren also dreijährige Kinder mit dem Ringelspiel. „Da, da, da, du liebst mich nicht, ich lieb dich nicht …“ Trio!
Aber als ob die Musik für einen schönen Sonntag nicht schon schlimm genug ist, daneben stehen auch noch ein paar Zigeuner und die spielen die „größten“ Hits des vorigen Jahrtausends: „Oh, when the saints go marchin‘ in“ … „Marina, Marina, Marina …“
Ich frage mich, ob es etwas helfen würde, ihnen 10 Euro zu geben, damit sie endlich mit der Dudelei aufhören. Aber wahrscheinlich hätte das eher sogar noch den gegenteiligen Effekt.
„Fred vom Jupiter, Fred vom Jupiter …“ Die Frauen haben hier seltsame Schuhe an, einige jedenfalls. Neulich hab ich eine ca. 40 jährige Frau in der U-Bahn gesehen, die relativ normal gekleidet war. Blaue Bluse, blauer Rock, schwarze Strumpfhose, eigentlich komplett unscheinbar. Aber sie hatte schwarze Hausschuhe an, die einen großen, weißen Totenkopf aufgeklebt hatten.
Statt „das ist ursuper“ sagen die Leute hier „das ist Hammer“. Endlich haben sich die Straßenmusikanten verzogen. Es ist der erste Tag seit zwei Wochen, an dem es nicht regnet. Die polnische Kellnerin in meinem Hotel, Anja heißt sie, hat etwas vom „Sieben-Schläfertag“ und „Sieben Wochen Regen“ gefaselt … Jedenfalls werden sicher alle Regenrekorde in diesem Jahr hier gebrochen werden. Sollen die Leute daheim doch 40 Grad schmoren, ist mir doch egal!
Und in der Nähe vom Kröpcke haben Sie eine Regenfrau und einen Regenmann aufgestellt.
Was? Plötzlich laufen hier massenhaft Pfadfinder in voller Montur und 20kg Marschgepäck herum! Das ist mir alles viel zu brav, ich ziehe weiter zum weltgrößten Schützenfest …
Kommentare (7)
Der schröckliche Vählar!
Von Georg am 17.08.2007 15:53